5. August 2016 romanstork

German Renewables – Um­welt­schutz made in Ger­many – von Sau­di Arabien bis nach Ch­ina

Exportweltmeister im Umweltschutz – Deutschland hat 2013 Güter im Wert von 82 Milliarden Euro für den Umweltschutz produziert. Was dabei erstaunlich ist: Die größten Umweltprobleme unserer Zeit treten gar nicht in Deutschland auf, sondern vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die technischen Lösungen für zahlreiche alarmierende Probleme existieren also, warum werden sie nicht in vollem Maße genutzt?

Die „German Renewables“ haben sich dieser Herausforderung angenommen. Das junge Start-Up aus Heidelberg vermittelt. Ihr Erfolgskonzept: Beratung von innovativen Unternehmen aus der deutschen Umweltwirtschaft beim Export ihrer technischen Produkte ins Ausland.

In Heidelberg haben wir Marius Melzer, Gründer der „German Renewables“, getroffen.

 

Vision für die Umwelt

TM DrinnenMarius hat in Bielefeld und Heidelberg Politikwissenschaft studiert. Dass er sich so stark mit dem Thema Ökologie auseinandersetzt, liegt unter anderem am Thema seiner Doktorarbeit: die Reinhaltung von Boden, Wasser und Luft in Deutschland, Saudi-Arabien, Südafrika und China. So ist später die Geschäftsidee der „Renewables“ entstanden.

Die „German Renewables“ beraten vor allem kleine und mittelständische Unternehmen ohne eigene Vertriebskanäle im Ausland. Hierbei setzten sie auf Kontakte, Erfahrung und Spezialkenntnisse über die Umweltsituation und die Investitionsbedingungen in den jeweiligen Ländern. Damit wird den Partnerunternehmen aus den Bereichen der Boden-, Luft- und Wasserreinhaltung der oft schwierige Markteintritt ins Ausland erleichtert.

Doch wie kam es überhaupt zu der Idee das Start-Up zu gründen? Hierzu erklärt uns der Gründer, dass es ihm wichtig war, seine theoretisch erworbenen Kenntnisse endlich auch praktisch zu nutzen, denn eine Sache kann Marius nicht akzeptieren: „In vielen Staaten verfügt man über sehr gute Umweltschutztechnologien. In anderen Staaten jedoch leiden die Menschen aufgrund der Umweltbelastung unter lebensbedrohlichen Umständen.Im Prinzip gibt es keine Ausrede für Staaten wie China solche schlechten Lebensbedingungen für Menschen hinzunehmen: Sie sterben an verunreinigtem Wasser oder an Lungenkrebs durch die Luftbelastung, obwohl es eigentlich die technischen Möglichkeiten gibt, diese Probleme zu lösen. Diese Lösung ist aus meiner Sicht auch dringend notwendig, denn Stabilität ist für solche Staaten äußerst wichtig.“

" Das Problem ist, dass viele in Zentralafrika und in Asien kein Interesse daran haben, dass es der Bevölkerung gut geht – sonst würden sie investieren."

Wissen ist Macht

Vision des Unternehmens ist es also, mithilfe innovativer Technologien Umweltprobleme zu lösen. Basis für die Vermittlung deutscher Technologien an ausländische Investoren sind die Spezialkenntnisse der „Renewables“. Aber wo kommen diese Kenntnisse überhaupt her? Stolz berichtet uns der Gründer vom Herzstück des Unternehmens – eine Meta-Datenbank, die Marius aus Daten von verschiedenen internationalen Organisationen zusammengestellt hat. Aus den Daten lässt sich unter anderem erkennen, wie stark die Umwelt in verschiedenen Ländern belastet ist und auch wie sich die Umweltgesetzgebung im jeweiligen Staat entwickelt hat.

Die Bedingungen für den erfolgreichen Export deutscher Umwelttechnologie sehen dabei positiv aus. Marius berichtet uns, wie die Umweltgesetzgebung in vielen Ländern über die letzten Jahre zugenommen hat und heute in Mälzer_draußen Staaten wie China, Saudi-Arabien und Südafrika wichtiger ist als früher. Das beweisen auch die Zahlen aus der Wirtschaft: Mit einem Marktvolumen von über 2.500 Milliarden Euro im Jahr 2013 sind die grünen Märkte der Umwelttechnik und Ressourceneffizienz weltweit auf Expansionskurs, Tendenz steigend.

Dennoch ist auch hier eine Grenze schnell gefunden: „Das Problem ist, dass viele in Zentralafrika und in Asien kein Interesse daran haben, dass es der Bevölkerung gut geht – sonst würden sie investieren. Wenn es niemanden gibt, der für Umwelttechnologien Geld ausgeben möchte, dann kann man die Leute dazu natürlich auch nicht zwingen.

Der Staat als Lenker im Umweltschutz

Von entscheidender Bedeutung ist und bleibt die Rolle der Politik. Hier identifiziert der Gründer der „Renewables“ den politischen Regimetyp als Schlüsselvariable, die es zu beachten gilt: „In einer Demokratie in Staaten wie Südafrika wird der Bevölkerung mehr Gehör verschafft. Hier gibt es zum Beispiel kostenlose Programme zur Versorgung mit Wasser und Elektrizität. In Autokratien muss sich die herrschende Partei hingegen nicht rechtfertigen und kann mit Gewalt gegen Andersdenkende vorgehen: In Saudi-Arabien beispielsweise ist die Partizipation des Volkes durch Repressionen und das Verbot der Bildung ziviler Vereinigungen stark eingeschränkt. Zur Herrschaftsausübung reicht es, das Militär, den Geheimdienst und die wirtschaftliche Eliten auf der eigenen Seite zu wissen. Neben der Politik benennt der Gründer das materielle Wohlstandsniveau in den jeweiligen Staaten als wichtigen Faktor für erfolgreiche Investitionen in die Umwelt: „In Staaten mit weit verbreiteter Armut sind die Staatsverantwortlichen oftmals in erster Linie kurzfristig orientiert: Sie müssen Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze schaffen, um das Vertrauen der Bevölkerung zu sichern. An die langfristigen Investitionen in den Umweltschutz ist dort oftmals noch gar nicht zu denken.“

Herausforderung Umwelt – Saudi Arabien und China

Mit dem politischen Regimetyp und materiellen Wohlstandsniveau sind damit zwei Hauptfaktoren für Investitionen in den Umweltschutz benannt. Worin investiert wird und wie diese Investitionen ausgestaltet sind, hängt aber maßgeblich von den Anforderungen an den Umweltschutz im jeweiligen Land ab.

" Dadurch dass die Kosten für die Umweltverschmutzung durch Unternehmen relativ niedrig sind und es keinen Emissionshandel gibt, ist auch keine große Motivation vorhanden, Ressourcen einzusparen und in Energieeffizienz zu investieren.
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Hierzu ein Beispiel: Während man in Deutschland viel Energie in Heiztechniken investiert, ist in Saudi-Arabien die Kühlung das Problem. Geringe Mengen an natürlichem Trinkwasser führen hier zudem zu großen Investitionen in Wasserentsalzungsanlagen. Wie abhängig Saudi-Arabien in Zukunft von Umwelttechnologien wie Energietechnik und Wasserentsalzungsanlagen werden könnte, zeigt ein Blick in die Geschichte: Noch in den Achtzigerjahren war der Wüstenstaat der zehntgrößte Weizenexporteur weltweit – es wurde fünfmal mehr produziert als verzehrt. Grund dafür: Unter dem Wüstensand befand sich eines der größten unterirdischen Wasserreservoirs weltweit. Durch ambitionierte Großprojekte verschwendete die Regierung jedoch diese wichtigen Naturschätze über Jahre. Heute ist der Wasserspeicher fast aufgebraucht, dem Weizenanbau geht das Wasser aus und Schätzungen zufolge könnte sich das Land schon 2025 unter den zehn größten Importeuren von Weizen wiederfinden. Auch andere landwirtschaftliche Großprojekte, wie die größte Rinderfarm der Welt mit über 40.000 Rindern, verschlingen heute enorme Mengen an Wasser und Strom.


Quelle: Milchproduktion in der Wüste – dw.com

Aber nicht nur Saudi-Arabien, auch China hat Probleme in der Landwirtschaft – vor allem mit der Desertifikation der Ackerböden und Bodenübernutzung durch Düngemittel. Jahrelanges Fehlmanagement, die Überweidung, Abholzung und Übernutzung von Gewässern treiben hier die menschengemachte Wüstenbildung in ländlichen Gebieten voran, in denen einst fruchtbarer Ackerboden zu finden war.

In Großstädten wie Peking und Shanghai gibt es ein ganz anderes Problem. Hier ist die Luftverschmutzung unter anderem durch industrielle Abgase und Autos enorm. Die Smogwerte liegen teilweise um das 20-fache über der Grenze, an der nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation eine Gefährdung für die Gesundheit beginnt. Allein die Luftverschmutzung in China kostet einer Studie zufolge 4.000 Menschen täglich das Leben. Dabei nennt die Regierung in Peking die Probleme seit einiger Zeit immerhin beim Namen, doch von einer Lösung ist man noch weit entfernt.

Smog

„Allerdings muss man China zu Gute halten,“ wirft Marius ein, „dass mittlerweile sehr hohe Investitionen in Elektroautos getätigt werden.“ Das beweisen auch die Zahlen: Nicht nur im eigenen Land übernimmt China die Führungsrolle in Sachen E-Mobilität: Im vergangenen Jahr hat die Volksrepublik die USA als weltweiten Leitmarkt für Elektroautos abgelöst – jedes zweite E-Auto auf der Welt wird in China verkauft. Dabei werden jährlich umgerechnet ca. 4,2 Milliarden Euro für Zuschüsse und den Bau von Ladestationen von der Regierung investiert. Auch deutsche Unternehmen sind an dem Umschwung beteiligt: So ist die Shanghai Electric Group – ein chinesischer Großkonzern – in diesem Jahr beim kriselnden Maschinenbauer Manz aus Reutlingen eingestiegen. Eine Zusammenarbeit in den Bereichen Energiespeichersysteme, Solar- und Automationstechnologie ist geplant.

" Auch wenn deutsche Produkte im Vergleich zu anderen teurer sind, besteht ihr Vorteil häufig darin, Lösungen für komplexe Umweltprobleme zu bieten.
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Wie Marius uns berichtet, darf man aber nicht vergessen, dass trotz aller Investitionen in umweltfreundliche Technologien ein Grundproblem weiterhin bestehen bleibt: „Dadurch dass die Kosten für die Umweltverschmutzung durch Unternehmen relativ niedrig sind und es keinen Emissionshandel gibt, ist auch keine große Motivation vorhanden, Ressourcen einzusparen und in Energieeffizienz zu investieren. Ob sie Energie sparen oder nicht, ist ihnen gleichgültig, denn das kostet die Unternehmen fast nichts.“

Die Zukunft der „Renewables“

In Deutschland haben wir viele Umweltprobleme wie die industriell bedingte Luftverschmutzung bereits bewältigt. Der hohe Umweltschutzstandard in Deutschland führt dazu, dass im Land <Büroselber in den nächsten Jahren nicht mehr so viel in den Umweltschutz investiert werden muss. Marius erklärt, dass es für die Zukunft deutscher Unternehmen aus der Umwelt­wirt­schaft daher entscheidend sein wird, neue Exportmöglichkeiten zu schaffen.

Auch die German Renewables wollen global noch präsenter werden, um den Umweltschutz in Schwellen- und Entwicklungsländern effektiver voranzutreiben. Die nächste große Reise ist schon geplant: Im September geht es für ein neues Projekt im Bereich der Energiegewinnung durch Blockheizkräfte nach Shanghai.

Die Rolle deutscher Umwelttechnologie in der Weltwirtschaft sieht Marius ganz pragmatisch: Auch wenn deutsche Produkte im Vergleich zu anderen teurer sind, besteht ihr Vorteil häufig darin, Lösungen für komplexe Umweltprobleme zu bieten. Hier zieht man eine größere Einmalinvestition in qualitativ hochwertige Technik vor, um möglichen Reparaturausgaben entgegenzuwirken. Das ist eine Chance für deutsche Unternehmen und für mich.“

 

Wir bedanken uns für das Interview mit Marius Melzer!

 

Liebe Leser, wie hat euch das Interview gefallen? Was haltet ihr von der Idee innovative Umweltschutztechniken auch im Ausland zu etablieren? Schreibt es uns doch einfach in die Kommentare!

© Die Fotos wurden uns freundlicherweise von German Renewables zur Verfügung gestellt.

 


Über den Autor:

JP_rundJan-Philipp Schmidt
Eventmanagement
Jan-Philipp studiert im 3. Semester Medien- und Kommunikationswissenschaft und ist Mitglied im Online Content Team. Für sein Studium hat es den gebürtigen Norddeutschen in die schöne Stadt zwischen Rhein und Neckar verschlagen. In seiner Freizeit kickt er gerne – ob im Infinity Fussballteam oder beim Unipokal.

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